Edle Weine „durch die rosa Brille gesehen“

Weinfreundeskreis der Geisenheimer Weinreimer lud zu Rosé-Weinprobe ein

Geisenheim. (sf) – Ganz in Rosa war die Dekoration im kleinen Saal des evangelischen Gemeindezentrums ge- halten, kein Wunder, schließlich lautete der Titel der ungewöhnlichen Weinprobe, die hier vom Weinfreundeskreis der Geisenheimer Weinreimer veranstaltet wurde „Durch die rosa Brille gesehen“. Im Mittelpunkt standen ein Dutzend außergewöhnliche Rosé-Weine aus Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien.

Die Idee zu der Rosé-Probe hatten die Weinreimerinnen, Oberreimerin Donate Krabbe und Zeremonienmeisterin Michaela Eser. Beide hatten auch die Weine für den Abend besorgt und la- gen damit vollauf richtig, wie die ein- deutigen Reaktionen der teilnehmen- den Weinreimer zeigten. „Die Weine haben nicht nur so manchen Kritiker überzeugt, auch die Rheingauer Weinprinzessin Sophie Egert tat ihr übriges. Sie hat sozusagen „voll ins Rosé ge- troffen“, resümierte Michael Eser. Die royale Weinrepräsentantin hatte die Moderation des Abends übernommen und mit Charme und Fachwissen die einzelnen Weine vorgestellt und die Besonderheiten der Rosé-Weine er- läutert. So ging sie auch auf verschiedenen Herstellmethoden für Rosé- Weine ein und erläuterte die Vor- und Nachteile, wie man einen Rosé herstellen kann. Wie beim Saignée-Verfahren mit Saftabzug bei der Rotweinberei- tung: „10 bis 20 Prozent des vergären- den Rotweins werden hier abgezogen und separat ausgebaut. Die Farbe ist jedoch bei dieser Methode, die auf französisch „Aderlass“ bedeutet, je nach Sorte schwierig zu steuern. Der Wein hat zum Teil unerwünschte Bitterstoffe und ist oft dünn wegen der fehlenden Mineralstoffe“. Die Abpress- Methode werde in der Provence bevor- zugt vor allem, wenn die Weine für Rotwein zu hohe Mostgewichte, Fäulnistöne oder Braunfärbung vorweisen würden. Die Mazerations-Methode hingegen sei eine gezielte Produktion aus gesundem Material und würde eher wenig praktiziert in Deutschland. Zum einen wegen des Rotwein-Boomes, aber auch weil es eine Preisfrage sei. Schließlich erläuterte Sophie Egert auch die Methode Medoc mit der Zugabe von zusätzlich 20 Prozent Trester und Kämmen, um mehr Gerbstoffe zu erhalten, die Macertion Carbonique bei der zur Steigerung der Fruchtigkeit unverletzte Trauben in einem luftfrei mit CO2 gespülten Raum vergären und die

Kaltmazeration mit dem Aufschluss der Maische, um mehr primäre Traubenaromen auszulaugen, noch bevor die Gärung in Gang kommt. Selbst Weinfachfrauen wie Michaela Eser konnten hier was lernen, wie sie bestätigten: „Besonders, wenn es um die Herstellungsweisen in Frankreich ging“.

„Die Moderation war großartig, wir können uns sehr glücklich schätzen, dass wir Sophie Egert für diesen Abend gewinnen konnten. Zumal ich sie nicht nur als „Rheingauer Weinprinzessin“ angefragt habe, sondern kompetente, sympathische und fachlich absolut versierte Jungwinzerin“, so Michael Eser hocherfreut. Und dass die Moderatorin dann sogar noch einen Überraschungswein, einen sehr feinen 2018er Blanc de Noir Spätburgunder trocken aus dem Rheingau mit- gebracht hatte, erfreute alle Gäste. Aufmerksam lauschten sie Sophie Egerts Ausführungen über den Unterschied zwischen Rosé, Weißherbst, Blanc de Noir, Schillerwein, Rotling und Rotgold. Auch die vorgestellten Weine konnten nicht unterschiedlicher sein. Hier konnte man sehr gut die verschiedenen Charakterzüge der einzelnen Anbau- gebiete und Länder erkennen. Während der Spanier, ein 2017er Salamandra Rosa trocken El Alba Lurton, der Italiener, ein 2017 Sartori Rosato, trocken Casa Vinicola Sartori, Verona, und der Chilene, ein 2018 Vermilion, trocken Miguel Torres, auch mit viel Alkohol auftrumpfen konnten und somit einen kräftigen Obstkorb mitbrachten, waren die Pfälzer und Rheingauer Wei- ne doch filigran und leicht fruchtig, schmeckten nach Sommerfrüchten und machten den Urlaub zum greifen nah. Der Franzose, ein 2018 AOC Tavel rosé, trocken Domaine Come-Loup von der Rhone war ebenfalls einfach toll: Himbeere und Melone machten ihn zu einem wirklich hervorragenden Wein. Der Sächsische Rosé, ein 2017 Sächsischer Landwein rosé, trocken vom mit Familie Eser befreundeten Weingut Kretschko in Radeberg war gegen alle Erwartungen eine reine Fruchtbombe. Zum krönenden Abschluss gab es noch eine 2002er Spätburgunder Weißherbst Auslese vom Weingut Graf-Müller aus Geisenheim, die einfach himmlisch schmeckte. „12 : 0 für den Rosé“, war dann von den Gästen zu hören, die sich teilweise passend zum Abend in der Farbe Rosé gekleidet hatten. „Wer diesen Abend nicht erlebt hat, der hat was verpasst“ lautete das Resümee und auch der Rheingauer Tapas-Teller mundete bestens.  

Rheingau Echo online 03.04.2019

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.